Sultan Markt

Gekommen, um zu bleiben!

Das Lebensmittelgeschäft Sultan in der Ritterstraße 6 wurde ca. 1980 gegründet. Trotz mehrerer Besitzerwechsel blieb der Name immer derselbe.

Herr Mustafa Akdere und seine Frau betreiben das Geschäft seit dem Jahr 2018. Bevor die Akderes den Laden gemeinsam übernahmen, hatte Herr Akdere dort 18 Jahre als Angestellter gearbeitet. Als sein ehemaliger Chef (dieser war nicht der Gründer, es gab wohl noch einen weiteren Vorbesitzer) aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging und in die USA auswanderte, schlugen die Akderes zu und kauften den Sultan Markt.

Gekommen, um zu bleiben

Vor 25 Jahren ist Mustafa Akdere, Jahrgang 1971, nach Oldenburg gezogen. Geboren und aufgewachsen ist er in der Region K. Maras (Kahramanmaras) in der Türkei. Seine spätere Frau, eine Türkin aus Köln, lernte er über seine Schwester kennen, die schon einige Zeit in Oldenburg lebte. Nach der Heirat verließ Herr Akdere den Ort, an dem er die ersten 21 Jahre seines Lebens verbracht hatte. Um ein gemeinsames Leben mit seiner Frau führen zu können, zog er aus der Türkei nach Oldenburg und mit ihr in der Lindenstraße zusammen. Glücklicherweise war dieser Schritt in das neue Leben ohne weiteres möglich. Zum Zweck der Familienzusammenführung haben Einwander*innen aus nicht EU-Mitgliedsstaaten unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit des Familiennachzugs. Heute hat Herr Akdere eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.

Am Anfang, so berichtet Herr Akdere, war es in Oldenburg schwer für ihn. Er sprach kaum Deutsch, seine Familie hatte er in der Türkei zurückgelassen und außerhalb der Familie seiner Frau kannte er noch niemanden in der Stadt. Tagsüber arbeitete er lange im Sultan Markt und die Abende verbrachte er mit seiner Frau zu Hause. So war es schwer, neue Leute kennenzulernen und Freundschaften aufzubauen.

Mit der Übernahme des Geschäfts und dem Beginn der Selbstständigkeit verlagerten sich die Probleme. Der Laden lief nicht gut, weil nur wenige Kund*innen kamen. Um mehr Kundschaft zu gewinnen, erweiterten die Akderes das Sortiment nach und nach. Das größere Warenangebot, das heute türkische, iranische, syrische, deutsche, indische und englische Produkte beinhaltet, zog neue Kund*innen an. Besonders beliebt sind die selbst hergestellten Spezialitäten, wie die riesige Auswahl an Oliven, Cremes und Dips. Der hauseigene Partyservice stellt Grillplatten zusammen und täglich gibt es frisches Fladenbrot.

Nicht verändert hat sich hingegen die Inneneinrichtung des Geschäfts. Wie Herr Akdere betont, liebt seine internationale Kundschaft den Laden gerade deswegen. Er würde sie an einen Tante Emma-Laden erinnern, wo alle Dinge ihren angestammten Platz hätten und leicht zu finden seien. So solle er ja nichts daran verändern, meinen die Kund*innen.

Wegen der Corona-Pandemie machen die Akderes aktuell bis zu 50 Prozent weniger Umsätze. Verdienen würden sie kaum noch etwas, sagt Herr Akdere. Es fehle die Laufkundschaft, die normalerweise in der Innenstadt unterwegs ist. Er hofft, dass bald wieder mehr los sein wird, denn augenblicklich würde ihm die Situation keinen Spaß mehr machen.

Was die Zukunft des Ladens angeht, hat Herr Akdere ganz genaue Vorstellungen. Als das älteste Lebensmittelgeschäft seiner Art in Oldenburg müsse der Laden, so wie er jetzt ist, fortgeführt werden. Wenn der Laden einmal verkauft wird, dann an jemanden, der den Namen Sultan weiterführt und das „Denkmal“ erhält.

Sultan ist übrigens arabisch, bedeutet Herrschaft oder Herrscher. Die Verwendung des Namens für ein Lebensmittelgeschäft in Oldenburg verweist gezielt auf das Warenangebot aus dem nahen und mittleren Osten.

Das Interview mit Herrn Mustafa Akdere führte Ria Glaue vom Stadtmuseum Oldenburg am 28. April 2021 im Sultan Markt.