Friedensplatz

Krieg um einen Engel

Warum wurde die Friedenssäule errichtet?

In den Jahren 1870 und 1871 kämpften zahlreiche Soldaten aus Oldenburg in der preußischen Armee im Deutsch-Französischen Krieg. Der Krieg wurde gewonnen und 1871 das Deutsche Kaiserreich gegründet. Wie auch in anderen deutschen Städten sollte in Oldenburg an die ums Leben gekommenen Soldaten und ihre „ehrvollen Taten“ für das Vaterland erinnert werden. So errichtet man 1878 das „Krieger-Denkmal zu Oldenburg“ auf dem spitzwinkeligen Grundstück zwischen Ofener Straße, Peterstraße und  Julius-Mosen-Platz. Dieser Platz wurde fortan Friedensplatz genannt und das Denkmal einige Jahre später offiziell in "Friedenssäule" umbenannt.

Das Denkmal bestand aus einer Säule aus rotem schwedischen Granit und einer vergoldeten Bronzestatue, dem „Friedensengel“. Seine Darstellung leitet sich von der römischen Siegesgöttin Victoria ab, die mit einem Kranz aus Lorbeer (Zeichen für Sieg) und Palmzweig (Zeichen für Frieden) in ihren Händen den Sieg als Voraussetzung des Friedens dokumentiert. Auf dem Sockel sind die Namen der 77 im Krieg gefallenen Männer zu lesen und mit einer Inschrift wird die Symbolik des „Friedensengels“ unterstrichen.

Die Inschrift lautet:

"Sich errangen sie den Lorbeerkranz,

Dem Vaterlande die Palme des Friedens
Und das geeinte deutsche Reich
Den Opfern des Krieges 1870/71 gewidmet“

Unter welchen Umständen hat die Säule ihren Engel verloren?

In beiden Weltkriegen wurden Bürgerinnen und Bürger, aber auch Städte und Kommunen im Rahmen der „Metallspende des deutschen Volkes“ dazu aufgefordert, Gegenstände aus Metall zu sammeln und abzugeben. Diese wurden dann eingeschmolzen und zur Produktion von Waffen und Munition verwendet. 1942 wurde auch der Oldenburger Engel zu diesem Zweck abgenommen.

Wie wird heute mit dem Denkmal umgegangen?

Die ursprüngliche Bedeutung des Denkmals scheint manchen Oldenburgerinnen und Oldenburgern nicht bewusst zu sein. In der Vergangenheit gab es immer wieder Forderungen nach einer Wiedererrichtung des Engels, da er doch ein Symbol für Frieden darstelle. In den 1980er Jahren war die Diskussion auf dem Höhepunkt. Nachdem sich der Kulturausschuss 1984 gegen eine Wiedererrichtung entschied, nutzte ein CDU-Politiker das Thema für seinen Wahlkampf und ließ 1986 über Nacht einen in Gold lackierten Styroporengel auf der Säule errichten. Schon kurze Zeit später wurde er im Auftrag der Stadt wieder entfernt, unter großem Interesse der Öffentlichkeit.

Heute informiert eine Schautafel vor Ort über die Geschichte und die auseinandergehenden Vorstellungen über den Umgang mit dem Denkmal. In seiner heutigen Form ist es nicht mehr nur für die Erinnerung an die Opfer des deutsch-französischen Krieges relevant, sondern verweist auch auf das Wirken des Nationalsozialismus in Oldenburg.