Disco Renaissance

Das Ende einer Ära

 

Heute steht am Anfang der Alexanderstraße ein vor mehreren Jahren neu gebautes Hotel. Von 1979 bis 1991 lud hier die Diskothek „Renaissance“ zum Feiern ein. Der Standort hatte aber bereits seit dem 19. Jahrhundert eine lange Tradition als Gaststätte und Ausflugslokal. Als „Doodtsches Etablissement“ und später „Janßens Edentheater“ hatte das Haus um 1900 viel zu bieten: Tanzsaal, Kaffeegarten und einen „Grottensaal“. In diesem Saal gab es höhlenartige Hohlräume mit Sitznischen, wie es damals vor allem in der Gartenkunst modern war. Die Inhaber priesen ihn als bedeutendste Sehenswürdigkeit in Norddeutschland an. Außerdem wurde das Lokal in einer Anzeige von 1912 als „größtes Vergnügungsetablissement am Platze“ mit „ständigem Kabarett“ beworben.

Mit einem erneuten Besitzer- und Pächterwechsel kam 1922 auch ein neuer Name. Der Komplex hieß fortan „Astoria – Oldenburger Ball- und Konzerthaus“. Bis zum Bau der Weser-Ems-Halle 1954 war das „Astoria“ das größte Veranstaltungshaus der Stadt. Auch ein Theatersaal („Metropol-Theater“) für Operetten, Theater und andere Formate war vorhanden. Ende der 1950er Jahre wurden die Räumlichkeiten noch einmal verändert. Unter anderem wurde im kleineren Saal die „Maxim-Bar“ eingerichtet, die für Aufsehen sorgte: Dort wurde 1965 angeblich der erste Striptease Oldenburgs gezeigt. Das Programm war vielfältig. Beliebt war auch der Jugend-Tanzclub, in dem sonntags von 16 bis 21 Uhr zu Beat-Musik getanzt werden konnte.

Als 1979 Wilfried Hohnholt und Rüdiger Mammen den Gebäudekomplex übernahmen, wurde das Programm der Zeit entsprechend verändert hin zu „Diskothek und Konzertsaal, Kneipe, Café und ein Restaurant mit französischer Küche“, wie es die NWZ damals ankündigte. Mit neuem Namen „Renaissance“ und neuer Ausrichtung versammelte sich die Jugend der 1980er Jahre im „Rinne“, wie die Disco genannt wurde. Der Begriff „Jugend“ ließ sich dabei allerdings weit ausdehnen, denn auch Menschen weit jenseits der 30 zog es noch in die Großdisco an der Alexanderstraße.

Die musikalische Ausrichtung war genreübergreifend, so dass sich im „Renaissance“ alle Gruppierungen trafen und auf ihre Kosten kamen. Das Konzept war ein Erfolg, der Laden voll. Markenzeichen war eine Weißlicht-Laser-Anlage, die erste damals in Deutschland. Bedient wurde die Lasershow von DJ Rainer Urbschat. Zweimal am Abend wurde die Show gestartet, z. B. zu Blue Monday von New Order. Urbschat stattete später Discotheken in ganz Deutschland und Fernsehshows als Light-Jockey aus.

Am 6. August 1991 zerstörte ein Großfeuer den hinteren Teil der Diskothek. Durch Arbeiten am Dach ausgelöst, kam es zum größten Feuer in Oldenburg seit Jahren. Nach mehreren Stunden Löscharbeiten stürzte der Dachstuhl schließlich ein. Verletzt wurde niemand. Aber die Disco, die nach einem Besitzerwechsel kurz vorher schon an Popularität eingebüßt hatte, konnte nicht wiedereröffnet werden. Die bauliche Substanz des Gebäudes war stark sanierungsbedürftig und die Stadt lehnte den Wiederaufbau des Saals ab. Möglicherweise wurde der Brand zusätzlich als Gelegenheit genutzt, die direkt an ein Wohnviertel angrenzende Disco aufzulösen. Denn Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohner hatte es bei den wummernden Bässen natürlich gegeben und möglicherweise nicht bei jeder und jedem verfing der angebotene Ausgleich: Eintritt und Getränke frei. Nachdem es im vorderen Gebäudeteil noch kurze Zeit das „Rock-Café“ gab, wurde das heruntergekommene Gebäude schließlich abgerissen.

Menschen, die in den 1980er Jahren im „Renaissance“ gefeiert haben, denken gerne an diese Zeit zurück, wie es der Gründer der Facebook-Gruppe Renaissance Disco formuliert: „Renaissance Disco Oldenburg war DIE Adresse für uns Oldenburger sich zu treffen, zu feiern und vor allem gute Musik zu hören.“

Text: Franziska Boegehold-Gude