Hafen

Als das Telefon mitten in der Nacht klingelte

Missverständnis mit glücklichem Ausgang

Aufgrund der Lage Oldenburgs an der Hunte hatte der Hafen für die Wirtschaft der Stadt seit dem 13. Jahrhundert eine gewisse Bedeutung. Der Handel über Schiffe wurde allerdings hauptsächlich zur Versorgung der Stadtbevölkerung und des Umlandes genutzt, da Oldenburg nicht an den großen Fernhandelsrouten lag und die Wasserwege nicht gut ausgebaut waren. Erst der Ausbau des Hunte-Ems-Kanals zum Küstenkanal zwischen 1922 und 1935 brachte einen größeren wirtschaftlichen Erfolg. Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte der Oldenburger Hafen zu einem der umschlagstärksten Binnenhäfen Niedersachsens. Viele Bürgerinnen und Bürger kennen den Hafen übrigens bis heute als „Stau“. Unter diesem Namen wurde der Hafen als Anlegeplatz erstmals urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung geht vermutlich entweder auf das Verstauen von Frachtgütern zurück oder auf einen künstlich in der Haaren angelegten Staudamm für den Betrieb von Wassermühlen.

Bis in die 1970er Jahre wurden am Stadthafen Waren von Schiffen abgeladen (gelöscht), in Speicher- und Lagergebäuden vor Ort deponiert und weiter transportiert. Industrieanlagen prägten das Bild. Am Kai wurden die Waren von Arbeitern und später vorwiegend Kränen von den Schiffen zur Weiterverarbeitung auf Waggons geladen. Schließlich konnte der Stadthafen aber wegen seiner geringen Größe die Anforderungen einer zeigemäßen Hafenwirtschaft nicht mehr erfüllen und der Betrieb verlagerte sich an den Osthafen hinter der Eisenbahnbrücke.

Der ehemals laute, staubige und geschäftige Hafenbetrieb ist beim Blick auf die heutige Promenade und die Wohnbebauung im hinteren Teil kaum noch vorstellbar. Aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wäre wohl kaum jemand auf die Idee gekommen, das Hafengelände nur zum Spazierengehen zu betreten. So auch am Morgen des 3. Mai 1945: Es war das Ende des Zweiten Weltkriegs, Deutschland war besiegt. Im Oldenburger Rathaus war am Tag zuvor telefonisch mit den heranrückenden kanadischen und englischen Truppen die kampflose Übergabe der Stadt vereinbart worden. Die Stadt sollte so vor einer Zerstörung bewahrt werden. Um die friedliche Übergabe zu besiegeln, musste sich der damalige Oberbürgermeister Heinrich Rabeling mit einem kanadischen Offizier im Hafengebiet treffen. Der Treffpunkt war kurz vor der damals zerstörten Eisenbahnbrücke, etwa auf Höhe der ehemaligen Glashütte, gelegen. So konnte Oldenburg vor einem Angriff der Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs bewahrt werden.

Beinahe wäre die friedliche Übergabe allerdings an einem Missverständnis gescheitert. Oberbürgermeister Rabeling hatte den englischen Alliierten die friedliche Übergabe telefonisch bestätigt. Allerdings war dabei nicht bedacht worden, dass auch die Kanadier informiert werden mussten. Diese riefen in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai im Rathaus an, um mitzuteilen das Feuer auf Oldenburg zu eröffnen, weil die Ankündigung einer kampflosen Übergabe ausgeblieben sei. Glücklicherweise war der Leiter des Wohnungsamtes noch im Rathaus. Er hörte das Telefon im Büro des Oberbürgermeisters klingeln und konnte die friedliche Übergabe bestätigen. Aus diesem Telefonat resultierte die Verabredung von Oberbürgermeister und kanadischen Alliierten zum Treffen am nächsten Morgen am Hafen.