Polizeibad

456 Quadratmeter Badespaß

 

Nachdem die Badekultur der Antike im Mittelalter verloren gegangen war, galt (öffentliches) Baden jahrhundertelang als anrüchig. Im 19. Jahrhundert gewann das Baden wieder an Popularität und es entstanden auch erste Freibäder. Diese waren zunächst meist an Seen oder Flüssen gelegen. So auch in Oldenburg, wo das erste öffentliche Freibad 1876 eröffnet wurde. Die Flussbadeanstalt an der Hunte beziehungsweise Mühlenhunte war der Vorläufer des heutige OLantis.

 

Wenn es um die Geschichte der Freibäder in Oldenburg geht, denken viele, die in den 1950er bis 1980er Jahren in den Sommermonaten schwimmen gegangen sind, an eine kleine Badanstalt, die es mittlerweile seit mehr als 35 Jahren nicht mehr gibt. Das Freibad des Polizeisportvereins (PSV) – oder kurz Polizeibad – lag zwischen der Margaretenschule (heute Paulus-Schule) und dem Botanischen Garten. Das kleine Bad mit nur 456 Quadratmetern Wasserfläche diente der Ausbildung und dem Leistungssport der Polizei, war aber auch öffentliches Schwimmbad.

Gebaut worden war das Bad ursprünglich als firmeneigenes Freibad der Fleischwarenfabrik Bölts AG, die 1924 eröffnet wurde. Nur durch Bahngleise vom Gelände der sogenannten „Fleiwa“ getrennt, diente das Schwimmbad den Angestellten der Firma als Ausgleich zur Arbeit. 1950 wurde das Bad vom PSV übernommen und war fortan auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Bis zu seiner Schließung 1986 – der Unterhalt konnte nicht mehr finanziert werden – war das kleine Freibad ein beliebter Treffpunkt und Teil der Oldenburger Schwimmkultur. Bei einer Umfrage des Stadtmuseums zu Kultorten in der Stadt wurde das Polizeibad mehrmals genannt und die Erinnerung daran so beschrieben: „Alle freien schönen Tage wurden im Polizeibad verbracht, schwimmen, Pommes und Eis essen. Top!“

Eine Persönlichkeit, die mit dem Schwimmsport in Oldenburg und mit dem Polizeibad eng verbunden ist, war Helmut Knocke (1924-2013), der langjährige Leiter des Bades. Er war maßgeblich am Aufbau des Schwimmbezirks Oldenburg nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt und breit gefächert ehrenamtlich im Bereich des Schwimmsports tätig. Vielen, die im Becken des Polizeibads ihre Runden drehten, ist Knocke in guter Erinnerung.

Wer heute am Gelände des ehemaligen Freibads vorbei geht oder radelt und nicht selbst dort im Sommer (Bade-)Abenteuer erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, dass auf dieser kleinen, eher versteckten Fläche einst ein Schwimmbad existiert hat. Immerhin klingt der Ort vermutlich manchmal noch ein bisschen wie das ehemalige Freibad, wenn Kinderlachen vom Spielplatz kommt, in den das Gelände nach der Schließung des Polizeibades umgewandelt worden ist.

 

Text: Franziska Boegehold-Gude