Wallkino

Kino gibt es auch on demand. Baudenkmäler weniger …

Als die Wall Licht Spiele am 4. September 1914 mit einem Saal für 750 Zuschauerinnen und Zuschauer eröffneten, galt dieses Kino als das modernste in Norddeutschland. In der Szene setzte das Kino neue Maßstäbe und bis zu seiner Schließung im Jahr 2007 war es das älteste betriebene Kino Norddeutschlands.

Neben den Wall Licht Spielen gab und gibt es in Oldenburg mehrere geschichtsträchtige Kinos. Diese zeugen von der damaligen Popularität der Filmkunst und versorg(t)en die Oldenburger*innen teilweise bis heute mit hochwertigem Filmgenuss.

Eine Gattung der Lichtspielhäuser ist im militärischen Kontext zu verorten. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es eine Vielzahl stationierter Soldaten der Alliierten, die auf den Kasernengeländen sogenannte „Truppenkinos“ betrieben. Die nach dem 2. Weltkrieg gegründete Army Kinema Corporation (AKC) betrieb deutschlandweit 25 Kinos, die fast alle GLOBE hießen – so auch das noch erhaltene GLOBE auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Donnerschwee (heute: Quartier Neu-Donnerschwee). Dort finden aktuell Sanierungs- und Denkmalschutzmaßnahmen statt, um das historische Truppen-Kino und -Theater bald wieder in Betrieb nehmen zu können.

Ein weiteres militärisches Kino, das die Zeit hingegen nicht überdauern konnte, war das Truppenkino am Fliegerhorst. Dies wurde genau wie das Globe in Donnerschwee, nach dem Abzug der britischen Truppen Ende der 1950 Jahre, von der Bundeswehr übernommen. Die beiden ehemals britischen Truppenkinos wurden dann ab 1958 bis ins Jahr 1990 von Filmspediteuren mit Filmmaterial ausgestattet. Das Kino auf dem Fliegerhorst wurde 2019 abgerissen.

Das am Pferdemarkt gelegene Casablanca, das seinen Kinobetrieb am 11. Dezember 1981 aufnahm, war damals das erste sogenannte Programmkino in Oldenburg und erfreute sich schnell der Beliebtheit von Kinoliebhaberinnen und Liebhabern aus Oldenburg und umzu. Im Jahr 1984 erweiterte das Kino seine Räume, um sein Filmangebot zu vergrößern. Mitte der 1990er Jahre wurde erneut um einen weiteren Saal aufgestockt. Nach der letzten Erweiterung im Jahr 2011 standen vier Säle für das Zeigen des mehrfach ausgezeichneten Kino-Programms zur Verfügung.

Ein weiteres wiederholt ausgezeichnetes Programmkino ist das etwas jüngere cine k im Bahnhofsviertel, das seit 2002 unter dem Dach der Kulturetage seine Leinwände bespielt.

 

 

Die Wall Licht Spiele wurden nach ihrer Blütezeit in den 1960er Jahren im Jahr 1969 verkauft und in „Wall-Kino“ umbenannt. Nach mehreren Besitzerwechseln und inneren und äußeren Umbauten erreichte das historische Kino wieder ein größeres Publikum und war ab 1994 Austragungsort der Eröffnungszeremonie des Internationalen Filmfestes Oldenburg. Das jährlich stattfindende Internationale Filmfest Oldenburg wird als Festival speziell für unabhängige Filmproduktionen ausgetragen und legt seinen Fokus auf deutsche und amerikanische Produktionen. Die abwechslungsreiche Präsentation von zahlreichen Lang- und Kurzfilmen, sowie das Auftreten internationaler Filmstars, hat Oldenburg über die Landesgrenzen hinaus und nicht nur in der Filmcommunity bekannt gemacht.

Von jenem Ruhm konnte das Wallkino langfristig nicht profitieren. Im Jahr 1969 wurde es als Einzelbaudenkmal gemäß Paragraf 3, Absatz 2 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen. Dadurch konnte der vom Besitzer geplante Abriss verhindert werden. Seitdem verfällt das Gebäude zusehends, obwohl der Eigentümer gesetzlich zu Instandsetzungs- und Erhaltungsmaßnahmen verpflichtet ist. Seit Jahren streiten die Denkmalbehörde der Stadt und der Eigentümer über die Zukunft des Gebäudes. Aktuelle Instandsetzungsmaßnahmen zur Unfallverhütung durch herabfallende Bausubstanz wurden von der Stadt zu Kosten des Eigentümers beauftragt.

Das Kino am Wall war ein Leuchtturm der Kinokultur in Nordwestdeutschland. (Noch) steht es symbolisch für die glorreichen Zeiten der Filmkunst in Oldenburg und gleichzeitig steht es mahnend für die schwierige Situation der Lichtspielhäuser weltweit, die sich seit einiger Zeit mit der Konkurrenz durch Streaming-Angebote und der digitalen Verfügbarkeit und Zirkulation von Kinofilmen konfrontiert sehen.