Hunte, Bad und kaltes Nass

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Das Hunte-Strandbad

Die Eröffnung der Städtischen Flussbadeanstalt direkt hinter dem Schlossgarten an der Mühlenhunte im Jahr 1889 war ein Startschuss für die Schwimm- und Badekultur in Oldenburg. Schon im Jahr 1876 wurde ein Freibad an der Hunte eröffnet, anfangs mit getrennten Abteilungen für Männer und Militär, erst später am noch eine Abteilung für Frauen hinzu. Direkt an die Entstehung der Badeanstalt gekoppelt ist die Geschichte des Oldenburger Schwimmvereins (OSV) von 1902, die nicht nur als Geschichte des Schwimmsports selbst, sondern auch als Geschichte der Oldenburger Frei- und Hallenbäder gewertet werden kann.

Wie sich die Badekultur in Oldenburg drinnen und draußen veränderte

Die Übungsstunden fanden im Sommer dienstags, donnerstags und sonntags in der Flussbadeanstalt statt. Pächter der Anlage waren Hinnerk, genannt Vatter Börjes und Bademeister Heini Bakenhus.

Bereits im Sommer des Gründungsjahres 1902 veranstaltete der OSV gemeinsam mit dem Bremischen Schwimmverband sein erstes Schwimmfest. Zwar war das Wetter schlecht, doch die Veranstaltung war gut besucht. Auf beiden Seiten der Hunte wurden 300 Stühle und Bänke verteilt. Für die Siegerinnen und Sieger gab es Eichenkränze mit blauroter Schleife. Dieses erste Fest hatte das Interesse am Schwimmsport in Oldenburg stark gesteigert. Der OSV verzeichnete daraufhin viele Neuaufnahmen und die Mitgliederzahl stieg auf über 100. Ein weiteres großes Ereignis für Oldenburg war auch das vom OSV, am 30. Juli auf der Landesausstellung 1905, veranstaltete „Wasserfest“. Es erschienen rund 18.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, eine Zahl, die für die damals rund 28.500 Einwohnerinnen und Einwohner Oldenburgs beachtlich war. Für den heimischen Schwimmsport war dies eine großartige Werbung, zumal dieser Tag der Landesausstellung am stärksten besucht wurde. Das Programm beinhaltete die Schwimmarten Brust, Seite und Rücken sowie Tauchen, Springen, Rettungsvorführungen und Wasserballspiele.

Hallenbad

1831 wurde das erste Oldenburger Badehaus auf dem „Jordan“, der heutigen Kreisverkehrsinsel etwa in Höhe der Hauptpost – auch als Stautorkreisel bekannt –, errichtet. Der damalige Stadtbaumeister stellte 1881 schließlich fest, dass die Bademöglichkeiten den Ansprüchen der Oldenburger nicht mehr genügten. Daraufhin schlossen 83 Bürgerinnen und Bürger einen Gesellschaftsvertrag und gründeten die „Öffentliche Badeanstalt AG zu Oldenburg“. Die AG erwarb das Haus in der Huntestraße 5, baute es im Innern um und errichtete im Garten das Hallenbad. Am 24. August 1882 wurde das Bad feierlich eröffnet. 1943 ging das Hallenbad in den Besitz der Stadt Oldenburg über. Es war schrittweise immer wieder renoviert worden, so dass von dem ursprünglichen Bad nicht mehr viel erhalten blieb. Trotz des 1960 eröffneten Hallenbades am Berliner Platz (heute Schlossplatz) wurde es noch bis 1983, vorwiegend von Schulklassen, genutzt. 1985 kaufte die Landesversicherungsanstalt das Grundstück und ließ 1989 das Hallenbad abreißen.

Anfang der 1950er Jahre wuchs in Oldenburg der Wunsch nach einem größeren Hallenbad. Die öffentlichen Bäder erfüllten damals einen zusätzlichen Zweck, viele Wohnungen hatten weder Dusche noch Wanne. Der Besuch der Badeanstalt, meist am Wochenende, diente der gründlichen Körperpflege.

Am 30. Juni 1960 wurde das Hallenbad am Berliner Platz bei einem Landesturnfest in Betrieb genommen.

Der entscheidende Impuls kam mit der Vergabe des Landesturnfestes nach Oldenburg: Die Stadt hatte sich 1957 zum Bau einer Schwimmhalle für die Turnschwimmerinnen und Turnschwimmer verpflichtet. Im Oktober 1960 wurde sie eingeweiht.

Der Bau war nicht unumstritten: Als „Bausünde“ im Zentrum Oldenburgs erntete die Planung und Umsetzung des Hallenbads vor allem deswegen Kritik, weil alte Fachwerkhäuser, in denen 14 Familien wohnten, und verschiedene Gebäude der ehemaligen Großherzoglichen Hofhaltung dem Projekt weichen mussten und sich das Stadtbild durch den Abriss massiv veränderte.

Schon 30 Jahre später, im Jahr 1987, wurde es außer Betrieb genommen und in der Folgezeit erneuter Gegenstand öffentlicher Diskussionen: Die Kostendeckung lag nur noch bei acht Prozent, zudem gab es mittlerweile in fast allen Häusern und Wohnungen Badewannen oder Duschen. Darüber hinaus wurden in den 1990er Jahren Forderungen nach Unterhaltung in Form eines Spaß- und Erlebnisbads laut – die Bedürfnisse hatten sich gewandelt.

Veraltete Technik wie auch die marode Bausubstanz waren schlussendlich dafür verantwortlich, dass unmittelbar nach der Wiedereröffnung im Jahr 2001 das endgültige Aus des Hallenbads beschlossen wurde. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2007 diente es noch als Ausstellungsraum und Konzertsaal.