Pferdebahn

Aufs falsche Pferd gesetzt!

 

Die erste „pferdebetriebene“ Straßenbahn in Deutschland gab es in Berlin schon im Jahr 1865. In vielen anderen Städten wurden öffentliche Pferdebahnen seit den 1870er Jahren eingerichtet (Hannover 1872, Bremen 1876, Osnabrück 1880). Oldenburg war in dieser Hinsicht etwas später dran. Hier wurde mit der Pferdebahn erst 1884 das erste öffentliche Personennahverkehrsmittel der Stadt eröffnet. In vielen anderen Städten war die Pferdebahn der direkte Vorläufer der Straßenbahn. Die Oldenburger Pferdebahn wurde jedoch nie elektrifiziert und ihr Betrieb schon vier Jahre nach Eröffnung wiedereingestellt.

 

Schienen in der Innenstadt – das Liniennetz

Die Bahn wurde im Mai 1884 durch das Verkehrsunternehmen Oldenburger Pferdebahn AG eröffnet. Das Schienennetz hatte zur Einführung eine Gesamtlänge von 4,7 Kilometern.

Es gab drei Linien. Die Nord-Süd-Linie führte über die Donnerschweer Straße zum Pferdemarkt, zum Schloss bis zur Cäcilienbrücke. Sie führte direkt durch die Altstadt, entlang der Heiligengeiststraße, der Langen Straße und der Achternstraße. Die Fahrt dauerte insgesamt 18 Minuten. Die Ost-West-Linie führte vom Zeughaus der Artilleriekaserne in der Ofener Straße (heute FH Oldenburg) über den Stau zum Bahnhof. Die Fahrtdauer betrug 13 Minuten. Eine Abzweigerlinie führte zum beliebten Ausflugslokal „Lindenhof“ in Nadorst. Zwischen 7 und 21 Uhr war die Pferdebahn in Betrieb, allerdings wurden die Haltestellen nur alle 30 Minuten, später, um Kosten einzusparen, nur noch stündlich angefahren.

Die Schienen verliefen aus Kostengründen nur einspurig. Damit Gegenverkehr passieren konnte, musste eine Bahn ausweichen. Dies war mit Hilfe des Perambulator-Systems möglich. Jeder Wagen hatte vier spurkranzlose Räder und ein fünftes mit Spurkranz. Nur dieses war dafür zuständig, den Wagen fest in der Spur zu führen. Musste ausgewichen werden, wurde dieses Rad aus der Spur gehoben. Dabei konnte der Bahnführer den Wagen von den Schienen herunterführen, über das Kopfsteinpflaster lenken und nach dem Passieren wieder zurück auf die Schienen bringen. Auf Kreuzungen und Weichen konnte bei diesem System verzichtet werden.

Warum hielt sich die Pferdebahn nicht länger?

Schon Ende des Jahres 1884 wurde der Betrieb wegen zu geringer Erträge eingestellt. In den acht Monaten des Bestehens wurden 175.000 Menschen befördert, dabei aber nur 14.000 Mark eingenommen. Der gleiche Betrag musste für die Versorgung der 20 Pferde aufgewendet werden. Außerdem waren 12 Kutscher und Schaffner eingestellt, die auch bezahlt werden mussten.

Ein neuer Versuch fand dann im April 1887 statt. Jedoch brauchte es die finanzielle Beteiligung durch die Stadt, die jährlich 2200 Mark für den Weiterbetrieb der Bahnen beisteuern wollte. Die Taktung wurde erhöht, die Sitzplätze gepolstert und die Nord-Süd-Linie bis zum Kriegerdenkmal in der Bremer Straße verlängert.

Trotzdem lohnte sich das Geschäft nicht. Zu wenig Oldenburger*innen nutzten die Pferdebahn. Die Gründe sind vielfältig. Nicht jede*r konnte oder wollte sich den Fahrschein leisten, außerdem war die Bahn im Schnitt mit nur sieben Stundenkilometer recht langsam, sodass viele Oldenburger*innen weiterhin zu Fuß liefen. Darüber hinaus wurde das Fahrrad als neues Verkehrsmittel dieser Zeit immer beliebter. Am 28. November 1888 wurde der Betrieb endgültig aufgeben. Vor dem Ersten Weltkrieg kamen Überlegungen für eine elektrische Straßenbahn in Oldenburg auf. Dieser Plan wurde aber wegen der Kriegsereignisse nicht weiterverfolgt.

Was passierte mit den Schienen und den Wagen?

Die Schleswiger Straßenbahngesellschaft gründete sich im Januar 1890 und eröffnete im gleichen Jahr eine Pferdebahn auf einer Strecke von 4,3 Kilometern. Die nötigen Wagen und Schienen wurden aus Oldenburg angekauft, da diese hier nicht mehr benötigt wurden. Im Jahr 1910 wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt. Erst ab 1936 übernahmen Stadtbusse die Personenbeförderung in Schleswig.

Was kam nach der Pferdebahn?

Erst 37 Jahre später, im Jahr 1925, gab es in Oldenburg wieder ein öffentliches Verkehrsmittel. Hier lebten inzwischen 50.000 Einwohner*innen. Die Zahl hatte sich seit 1889 verdoppelt. Die Beförderung von Personen schien sich endlich zu lohnen, also weiteten die Bremer Vorortbahnen (BVG) ihren Betrieb auf Oldenburg aus. Im Jahr 1933 übernahm den Betrieb das neue Unternehmen Oldenburger Vorortbahnen Pekol GmbH, das seine Busse in den nächsten Jahrzehnten immer mit technischen Neuerungen ausstattete. Besonders bekannt ist der „Trollibus“ oder auch „Obus“, der über Oberleitungen elektrisch fuhr und bis in die 50er Jahre das Oldenburger Stadtbild prägte. Danach wurden Dieselbusse eingeführt.

Heute werden in Oldenburg täglich rund 55.000 Menschen befördert. Die Verkehr und Wasser GmbH (VWG), zu 74 Prozent ein städtisches Unternehmen, unterhält zu diesem Zweck 103 Busse, die inzwischen alle mit Bio-Erdgas betrieben werden. Mit dieser Antriebsart werden deutschlandweit die niedrigsten Stickoxid-Abgaswerte (NOX) erzielt, was die Busflotte nach eigenen Angaben des Unternehmens zu Deutschlands umweltfreundlichster macht.