Spielplatz

„Kinder sind dazu da, um Lärm zu machen.“

Schon zu Lebzeiten war Helene Lange eine der bedeutsamsten Persönlichkeiten der bürgerlichen Frauenbewegung – und bis heute prägt ihr Ansehen das städtische Leben Oldenburgs, was sich beispielsweise in der nach ihr benannten Gesamtschule äußert.

 

Helene Henriette Elisabeth Lange wurde am 9. April 1848 in Oldenburg geboren. Mit nur 16 Jahren hatte sie bereits beide Elternteile verloren. 1871 zog sie als 23-Jährige mit einem kleinen, ihr übertragenen Erbe nach Berlin, wo sie 1872 erfolgreich die Lehrerinnenprüfung ablegte.

Reformwille und die Gelbe Broschüre

Mit der Zeit geriet sie in Kontakt mit den liberalen Kreisen in Berlin, die sie an die organisierte Frauenbewegung heranführten. In ihrer Tätigkeit als Lehrerin sah sie sich mit den Missständen in der Lehrerinnenausbildung sowie mit den ungenügenden Lehrinhalten für Mädchen konfrontiert. Vor allem bürgerliche Mädchen sollten auf ein Leben an der Seite eines Ehemannes vorbereitet werden, während sie sich gleichzeitig der Situation ausgesetzt sahen, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen zu müssen. Lange suchte nach einem Weg, Mädchen durch geschulte Lehrerinnen eine gleichwertige Ausbildung wie Jungen zukommen zu lassen und sie zur Herausbildung einer eigenständigen Persönlichkeit zu motivieren.

1888 reichten Lange und fünf weitere Mitstreiterinnen eine Petition an das Preußische Unterrichtsministerium und das Preußische Abgeordnetenhaus ein. Die Begleitschrift, die sogenannte Gelbe Broschüre, hatte Lange verfasst. Zwei konkrete Forderungen waren darin unter anderem eine größere Beteiligung von Mädchen am Unterricht auf Mittel- und Oberstufe der öffentlichen Mädchenschulen, welche in Frauenhand gelegt werden sollten, sowie die Errichtung von Ausbildungsstätten von Lehrerinnen.

Zwar erregte diese Gelbe Broschüre großes Aufsehen, blieb politisch allerdings ohne Erfolg. Nichtsdestotrotz hielt Lange an der Idee einer Reform des Mädchenschulwesens fest.

Neben den Inhalten der Mädchenschulen setzte sich Helene Lange auch für die Lehrerinnen ein. 1890 gründete sie zusammen mit anderen Lehrerinnen den Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein (ADLV), in dem sich die Frauen zur besseren Organisation ihrer Interessen zusammenschlossen.

Als Vorsitzende des ADLV, Vorstandsmitglied des Bunds Deutscher Frauenvereine (BDF) und des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) und seit 1893 Herausgeberin der Zeitung „Die Frau – Monatsschrift für das gesamte Frauenleben“ war Lange um 1900 zu einer einflussreichen Persönlichkeit innerhalb der bürgerlichen Frauenbewegung geworden.

Eine Lebensgemeinschaft zwischen Krankheit und Kampf

Ihre schlechte Gesundheit, die sie Zeit ihres Lebens begleitete, veranlasste sie bald zur der Überlegung, sich von allen Ämtern zu trennen. Dieses Vorhaben musste jedoch aufgrund der Mithilfe ihrer Sekretärin Gertrud Bäumer, mit der sie eine "politische Lebensgemeinschaft" führte, nicht umgesetzt werden.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erreichte die Frauenbewegung wichtige Erfolge. 1906 wurden 22 Frauen, unter ihnen Helene Lange und Gertrud Bäumer, vom Preußischen Kultusministerium in eine Kommission zur Reform des Höheren Mädchenschulwesens berufen. 1908 schließlich errang die Frauenbewegung ein neues Vereinsgesetz, was ihnen endlich erlaubte, Mitglied in einer politischen Partei zu werden, woraufhin Lange der liberalen Freisinnigen Vereinigung beitrat.

Trotz Bäumers Unterstützung zwangen die gesundheitlichen Probleme Lange dazu, zunehmend Abstand zum politischen Alltag zu nehmen. Als Mitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) erlebte Lange nach Ihrem Umzug nach Hamburg 1919 noch die Einführung des Frauenwahlrechts. Am 24. März 1919 eröffnete sie als Alterspräsidentin die erste Hamburger Bürgerschaft. Doch die Kräfte der nunmehr über 70-Jährigen nahmen immer mehr ab. Nach einem erneuten Umzug 1920 zurück nach Berlin entzog sich Lange immer mehr der Öffentlichkeit und trat von ihren verschiedenen Ämtern und Posten zurück. 1928 ernannte die Stadt Oldenburg sie zur Ehrenbürgerin. Zu ihrer Ehrung wurde Lange neben der nach ihr benannten Schule 1995 dort auch ein Denkmal errichtet. Es steht auf dem Cäcilienplatz.

Helene Lange starb am 13. Mai 1930. Ihre Beerdigung auf dem Charlottenburger Friedhof glich einem Staatsbegräbnis.